Hauptschütz am Elektrostapler prüfen, Symptome und Ursachen

Hauptschütz am Elektrostapler defekt? Fehlercodes von Curtis und Sevcon Gen4, Spulenspannung, verschweißte Kontakte und Vorladung sicher prüfen.

Stand 6. November 2026

Das Hauptschütz trennt Batterie, Steuerung und Fahrmotor voneinander. Fällt es aus, steht der Stapler, oder die Steuerung meldet schon beim Einschalten einen Fehler. Die Handbücher von Curtis und Sevcon beschreiben, welche Prüfungen die Steuerung selbst ausführt und welche Ursachen sie dahinter vermutet. Dieser Ratgeber ordnet die Meldungen den Ursachen zu und zeigt, was Sie vor einem Teiletausch messen.

Wie die Steuerung das Hauptschütz überwacht

Curtis beschreibt das Hauptschütz als Sicherheitsmerkmal. Es trennt Steuerung und Motor von der Batterie, wenn ein Fehler der Steuerung oder der Verdrahtung die volle Batteriespannung an den Motor legen würde. Deshalb muss die Schützspule direkt am Treiberausgang der Steuerung hängen, bei der Curtis 1244 ist das Pin 17. Hängt die Spule woanders, kann die Steuerung das Schütz bei schweren Fehlern nicht öffnen.

Die Prüfungen laufen je nach Steuerung unterschiedlich ab.

  • Die Curtis 1244 testet auf verschweißte Kontakte, sobald der Schlüsselschalter eingeschaltet wird und bei jedem Öffnungsbefehl. Eine zweite Prüfung misst am Treiberpin, ob eine Spule angeschlossen ist und ob das Schütz tatsächlich geschlossen hat.
  • Die Curtis 1243 GEN2 prüft bei jedem Schließbefehl zuerst, ob das Schütz schon geschlossen ist. Danach schließt sie und prüft, ob das Schütz wirklich angezogen hat.
  • Die Sevcon Gen4 meldet ein Schütz als verschweißt, wenn es beim Einschalten oder nach dem Abfall der Spule geschlossen ist. Sie meldet einen Fehler, wenn das Schütz trotz bestromter Spule nicht schließt.

Meldungen und die genannten Ursachen

BefundCurtis 1243 und 1244Sevcon Gen4Ursachen laut Handbuch
Schütz verschweißtLED 3,2 "welded main contactor"4 Blinkimpulse "Line contactor welded"Schütz hängt geschlossen. Bei Curtis kommt ein kurzgeschlossener Treiber hinzu. Schütz und Verdrahtung prüfen, dann Schlüsselschalter aus und ein.
Schütz schließt nichtLED 3,4 "missing contactor" oder "main contactor did not close"4 Blinkimpulse "Line contactor did not close"Schütz fehlt, Draht zur Spule offen oder Spule nicht angeschlossen. Bei Gen4 Schütz und Verdrahtung prüfen.
Treiber ÜberstromLED 3,1 "contactor driver overcurrent" (1244)nicht in der gelesenen TabelleSpule kurzgeschlossen.
VorladefehlerLED 3,3 "precharge fault"7 Blinkimpulse "Precharge failure"Curtis nennt eine defekte Steuerung, einen externen Kurzschluss oder einen Kriechweg nach B-. Gen4 meldet, wenn die Kondensatorspannung nach der Vorladung unter 5 V liegt, und verweist auf Kurzschlüsse zwischen B+ und B-.

Die Steuerung sperrt nach einer Meldung über verschweißte Kontakte den Ausgang. Bei der Curtis 1244 bleibt die Sperre, bis der Fehler beseitigt und der Schlüsselschalter aus und wieder eingeschaltet wurde.

Schütz zieht nicht an oder fällt ab

Messen Sie zuerst die Spannung an den Spulenanschlüssen, während die Steuerung den Befehl gibt. Albright nennt für die SW200 Richtwerte bezogen auf die Nennspannung der Spule (Us) bei einer Spulentemperatur von 20 °C.

GrößeRichtwert SW200
Höchste Anzugsspannung bei Aussetz und Kurzzeitspulen60 % von Us
Höchste Anzugsspannung bei Dauerspulen66 % von Us
Abfallspannung10 bis 20 % von Us
Typische Anzugszeit40 ms
Typische Abfallzeit ohne Beschaltung10 ms
Typische Abfallzeit mit Diode100 ms
Typische Abfallzeit mit Diode und Widerstand30 ms
Typische Prellzeit3 ms

Bei einer 24 V Spule sind 60 % rechnerisch 14,4 V und 66 % rechnerisch 15,8 V. Liegt weniger an, liegt das Problem vor dem Schütz. Prüfen Sie dann Sicherung, Schlüsselschalter, Steckverbinder und den Treiber der Steuerung.

Beide Hersteller betreiben die Spule oft mit Spannungsregelung. Die Curtis 1244 legt zunächst die Anzugsspannung an und schaltet nach 0,1 Sekunden auf die Haltespannung. Diese ist von 20 bis 100 % in Schritten von 2 % einstellbar. Curtis weist darauf hin, dass sie hoch genug sein muss, um das Schütz bei Stößen und Vibrationen geschlossen zu halten. Fällt das Schütz auf unebenem Boden ab, sind diese Parameter ein erster Prüfpunkt. Bei 100 % Haltespannung soll die Spule für Dauerbetrieb ausgelegt sein.

Bei der Sevcon Gen4 sind Anzugsspannung, Anzugszeit und Haltespannung ebenfalls einstellbar. Das Handbuch nennt weitere Bedingungen.

  • Schützspulen gehören nicht an die Versorgungsseite des Schlüsselschalters. Dafür gibt es eigene Versorgungspins am Ausgang.
  • Schütze mit eingebauter Sparschaltung sind nicht zulässig, weil sie nicht mit der Steuerung verträglich sind.
  • Schütze mit Blasmagneten müssen mit der richtigen Polarität an die Leistungsanschlüsse, wie die Markierung am Gehäuse zeigt.

Albright weist darauf hin, dass Anschlüsse bei Blasmagneten und bei Spulenbeschaltung polaritätsempfindlich werden.

Verschweißte Kontakte

Beide Hersteller nennen als Ursache ein Schütz, das bei abgefallener Spule geschlossen bleibt. Curtis führt zusätzlich einen kurzgeschlossenen Treiber auf. Das ergibt dasselbe Bild, weil die Spule dann dauerhaft bestromt ist. Prüfen Sie deshalb Schütz und Spulenkreis gemeinsam.

Zum Schutz der Kontakte beim Einschalten dient die Vorladung. Sevcon nennt als Zweck den Schutz der Kontaktstücke vor Einschaltstrom. Curtis schließt das Schütz erst, wenn die Kondensatorbank der Steuerung bis auf 10 % an die Batteriespannung herangekommen ist. Die Vorladung ist laut Curtis ab Batteriespannungen von 48 V Pflicht. Bei der Gen4 liegt der Zielwert zwischen 50 und 90 % und ist einstellbar. Ein Vorladefehler bedeutet, dass das Schütz gar nicht erst schließt. Suchen Sie dann einen Kurzschluss zwischen B+ und B-, bevor Sie das Schütz tauschen.

Die Daten der SW200 zeigen die Grenzen des Schützes.

AngabeSW200 laut Datenblatt
Dauerstrom unterbrochen und nicht unterbrochen250 A und 400 A
Schaltvermögen bei 5 ms Zeitkonstante1500 A bei 96 V
Kontaktspannung mit Blasmagnetbis 96 V
Kontaktspannung ohne Blasmagnet48 V bzw. 60 V je nach Prüfnorm
Kontaktedoppelt unterbrechend, Silberlegierung

Ein Schütz, das häufig unter Last schaltet, hat laut Albright einen höheren Kontaktwiderstand als eines, das kaum schaltet.

Kontaktverschleiß beurteilen

Albright nennt für neue Kontakte der SW200 einen typischen Spannungsabfall von 40 mV je Pol bei 250 A. Das ist ein Vergleichswert für neue Kontakte und kein Verschleißgrenzwert. Einen veröffentlichten Grenzwert für den Tausch der Kontakte haben wir nicht gefunden. Fragen Sie beim Hersteller des Schützes nach, wenn Sie eine Entscheidung auf Messwerte stützen wollen.

Sicherheit bei der Prüfung

Curtis verlangt, vor Arbeiten an der Motorsteuerung den Batteriekreis zu öffnen, eine Schutzbrille zu tragen und isoliertes Werkzeug zu benutzen. Das Fahrzeug soll aufgebockt sein, sodass die Antriebsräder frei drehen, oder der Motor wird abgeklemmt. Bleibatterien erzeugen beim Laden und Entladen Wasserstoff, daher gelten die Vorgaben des Batterieherstellers. Curtis entlädt die Kondensatoren der Steuerung in seinem Reinigungsverfahren über eine Last an B+ und B-.

OSHA 1910.178 fordert, vor Reparaturen an der Elektrik die Batterie zu trennen. Ersatzteile müssen der Sicherheit des Originals entsprechen. Ein Stapler in unsicherem Zustand ist außer Betrieb zu nehmen. Werkzeug und Metallteile gehören nicht auf offene Batterien. Hinzu kommen die Regeln Ihres Fahrzeugherstellers.

Passende Teile aus dem Katalog

Prüfen Sie die Passung vor der Bestellung anhand von Typenschild, Spulenspannung und Teilenummer.

  • C29508 ist ein einpoliges Schütz SW 180 mit 24 V Spule, C29522 die 48 V Ausführung. Curtis nennt Albright SW80 oder SW180 als Hauptschütz für die 1243 GEN2.
  • C29532 ist ein einpoliges Schütz SW 200 mit 48 V Spule, C29509 die 80 V Ausführung.
  • Sevcon führt für die Gen4 bis 450 A ein Hauptschütz mit 24 V Spule (828/37024), mit 48 V Spule (828/57026) und mit 80 V Spule (828/67010).
  • Für die Gen4 bis 650 A nennt das Handbuch eine 24 V Spule für Aussetzbetrieb, die bei 17 V getaktet wird. Im Katalog steht dafür 828/39001.
  • Als Kontaktsätze für verschlissene Kontakte führt der Katalog 3253582700 von Linde mit vier Silberkontakten und die Kontaktsätze 370071 und 370072 von Crown.

Häufige Fragen

Darf der Stapler mit der Meldung verschweißtes Schütz weiterfahren?

Nein. Die Curtis 1244 sperrt in diesem Fall ihren Ausgang. OSHA verlangt, dass Stapler in unsicherem Zustand außer Betrieb genommen werden. Klären Sie die Ursache, bevor Sie den Schlüsselschalter erneut einschalten.

Welche Spannung muss an der Schützspule anliegen?

Für die SW200 nennt Albright eine höchste Anzugsspannung von 60 bzw. 66 % der Nennspannung und eine Abfallspannung von 10 bis 20 %. Steuerungen mit Spannungsregelung liefern dazwischen eine Halte und eine Anzugsspannung, die Sie nach dem Datenblatt Ihres Schützes einstellen. Entscheidend ist immer das Datenblatt des verbauten Typs.

Kann ich ein Schütz mit anderer Spulenspannung einbauen?

Die Treiber von Curtis und Sevcon können Spulen mit niedrigerer Nennspannung bedienen, wenn Anzugs und Haltespannung passend programmiert sind. Curtis nennt als Beispiel eine 12 V Spule an einem 36 V System mit 34 % Haltespannung. Bei der Gen4 sind Schütze mit Sparschaltung ausgeschlossen. Halten Sie die Bedingungen des Schützherstellers ein.

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